Lord of the Ring

TheRingDie Nordschleife ruft mich, noch leise – ganz leise, aber doch vehement und beständig zunehmend. Nervös schaue ich auf den Wetterbericht, ein eiskalter Schauer überkommt mich – genährt durch den Hunger, den unbändigen Durst nach Adrenalin, nach dem Duft der Rennstrecke, geschwängert von heißer Kupplung und zerfließendem Bremsbelag. Ein Blick auf den Kalender verrät – noch eine halbe Ewigkeit, schier unendlich lange Tage, verzehren, schmachten, dursten, bis es endlich wieder soweit ist und meine Hände das rauhe, schon geschundene und doch angenehme Lederlenkrad wieder umschließen dürfen. Kontrolle, Kontrolle erlangen – und halten – ganz nah am Grenzbereich, manchmal sogar darüber hinaus, wo man jeden einzelnen Profilblock der Reifen spürt, wie er in den Asphalt greift und um Haltung wimmert und mir eindrucksvoll ins Ohr zischelt – „Noch ein bisschen mehr – noch ein ganz kleines bisschen mehr!“. Die matte Erschöpfung, nach der sich mein Gemüht sehnt, nach einem Dutzend Runden, der Körper und die Bekleidung von Schweiß getränkt – und doch Zufriedenheit, Genugtuung, Stolz und Freude sich breit machen, wenn David über Goliat obsiegt, wieder und immer wieder. Wenn die Sonne untergeht, nach dem Kampf, mit den Naturgesetzen, mit den übermächtigen Gegnern – Ruhe einkehrt und der Stahl erkaltet, nach dem inbrünstigem Feuer und der Kopf das Kissen berührt und sich die Augen schließen – spüre ich es schon wieder, das heiße Glimmen, der leise Ruf an den Krieger – getrieben zur nächsten Schlacht – obwohl die Wundern noch nicht verheilt sind und Kräfte getankt werden müssen, ruft er mich erneut. Ein Teufelskreis, ein Ring – ein Ring mich zu knechten…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.